Malawi See genießen

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Reisetag 59

Kilometer 11.162

Wir haben uns spontan entschlossen noch einen Tag bei Ed am See zu bleiben.
Unser nächster Besuch im SOS Kinderdorf in Mzuzu muss noch organisiert werden.
Und gestern sind wir unsere kommende Route durchgegangen und haben gesehen, dass wir trotz aller kommenden Ziele gut in der Zeit liegen. Die Reihenfolge der kommenden Länder ist Sambia - Kongo - Sambia - Botsuana - Namibia - Südafrika. Am Ende werden wir statt 15.000 km etwa 17.000 brauchen. Noch ein gutes Stück, aber auch nichtmehr ewig.


Ed ist bei weitem nicht nur unser Wirt. Er ist auch Fotograf. Autodidakt, aber sehr, sehr gut. Und er lebt hier in einer so eindrucksvollen Umgebung in der europäische Fotografen oft nur wenige Wochen Zeit haben.
In unserer Freunde-Sektion findet Ihr einen Link zu seiner Homepage und auf Instagram findet Ihr ihn auch.

Zeit sich etwas mit der Umgebung zu beschäftigen. Der Malawisee ist ja auch ein Grenzsee. Heute zwischen Malawi, Tansania und Mosambik.
Zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges grenzten hier die Kolonien Großbritanniens und Deutschlands an einander. Was zu einer der skurrilsten "Schlachten" des Ersten Weltkrieges führte.
Auf dem See gab es ein britisches und ein deutsches Kriegsschiff. Kriegsschiff ist eigentlich übertrieben. Beide Schiffe waren eher Passagier- und Transportschiffe die man bewaffnet hatte. Die Gwendolyn und die Hermann von Wissmann. Wem welches Schiff gehörte erübrigt sich bei diesen Namen.
Die Schutztruppen in den Kolonien waren eigentlich rein zur Unterdrückung der Bevölkerung vorgesehen, nicht zum Krieg führen.
Bereits 1884/1885 hatten die Kolonialreiche auf der Kongokonferenz in Berlin beschlossen, dass Kolonien im Falle eines Krieges neutral bleiben sollen.
Dieser Vertrag wurde im Ersten Weltkrieg ab dem ersten Tag gebrochen. Hierfür gab es hauptsächlich strategische Gründe. Einerseits bestand die Sorge, dass von Kolonialhäfen aus Angriffe auf Handelsschiffe der Gegenseite erfolgen könnten, andererseits wollten Soldaten der Kolonien wie Paul von Lettow-Vorbeck und Lawrence von Arabien möglichst viele Truppen der Gegenseite in den Kolonien binden um die Fronten in Europa zu schwächen.
Die beiden Kapitäne der Schiffe auf dem Malawisee kannten sich, ja man war befreundet.
Der britische Kapitän erhielt am 13. August 1914, neun Tage nach Kriegserklärung, den Auftrag das deutsche Schiff zu versenken. Dieses befand sich gerade auf Reparatur im Hafen, dem sogenannten Sphinx Hafen im heutigen Tansania.
Das britische Schiff schoß auf die Hermann von Wissmann, eher schlecht, und mit vielen Versuchen konnte man sie am Heck beschädigen. Während dessen kam ein kleines Boot zur Gwendolyn. An Bord der deutsche Kapitän. Er warf seinem Freund vor betrunken zu sein, so früh am Tag, und er solle sofort aufhören auf sein Schiff zu schießen...der Kapitän wußte noch nichts von der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland.
Er wurde an Bord der Gwendolyn durch seinen Freund gefangen genommen.
Diese Anekdote wurde durch die Propaganda in England zu einem der ersten großen Marine Siege des Krieges hochstilisiert.
In der neueren Geschichte gab es nochmal einen Versuch den Malawisee aufzurüsten. Malawi unter dem Langzeitherrscher Hastings Banda war das einzige afrikanische Land, dass das Apartheid Regime Südafrikas unterstützte. Als Dank sollte das Binnenland mit einer Marine ausgestattet werden. Der Transport eines südafrikanischen Kriegsschiffes auf dem Landweg an den See scheiterte aber am Widerstand Mosambiks.

Heute liegt bei Ed witklich ein Boot auf dem Trockenen und wartet auf seine Bestimmung:

59 - Die Evelyn Cook...

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Die Evelyn Cook ist ein wunderschönes, nigelnagelneues Ambulanzboot das gerade geliefert wurde und hier zwischengelagert wird.
Fünfzehn Kilometer bergauf von hier liegt die kleine Missionsstadt Livingstonia. Sie wurde von dem Schotten Dr. Robert Laws 1894 gegründet. Bis heute gibt es hier neben Schulen auch ein Krankenhaus mit 130 Betten. Viele der Orte am See sind aber ausser mit dem Schiff nicht zu erreichen. Und so ist dieses perfekt ausgestattete Ambulanz Schiff mit Spendengeldern angeschafft worden.
Bevor es verwendet werden kann muss hier noch ein Slipweg gebaut werden. Dafür ist alles vorbereitet.

Wir verbringen diesen schönen Tag erneut am See, genau genommen mit Nichtstun. 

59 - Fischer

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Morgen ist es mit dem Lotterleben wieder vorbei und es geht weiter. Wir sind seit heut Nachmittag auch nichtmehr alleine mit den Fischern an "unserem" Strand. Ein LKW-Bus mit gefühlt 50 Briten ist angekommen...jetzt wissen wir wie Ed auf bis zu 1200 Nächtigungen pro Monat kommen kann. Zum Glück sind wir in der absoluten Nebensaison am Weg.


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