Lubumbashi im Kongo

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Reisetag 66

Kilometer 12.886

Heute ist Ruhe- und Besichtigungstag. Lubumbashi ist die zweitgrößte Stadt der DRC. 
Die Demokratische Republik Kongo hat ihren Namen von dem sie durchquerenden, 4374 km langen Kongo. Er fließt im Kongobecken und stellt bis heute den wichtigsten Transportweg dar. Den Kongo selbst, nach dem Nil den zweitlängsten Fluß Aftikas, werden wir leider nicht sehen.
Wenn man die Informationen zur Demokratischen Republik Kongo liest wird einem schlecht. Sie gilt als Failed State und belegt bei allen Entwicklungs- und Freiheitsrankings weltweit letzte Plätze. Wir merken hier nichts davon. Die Grenze, die Straßen, die Stadt, alles afrikanisch einfach aber es funktioniert. Die Menschen sind sehr angenehm. Niemand bettelt, niemand ist aufdringlich, niemand starrt die Weißen an (und ausser uns sehen wir den ganzen Tag zwei weitere...). Wenn wir Fragen haben ist man sehr hilfsbereit und freundlich. Die Menschen sind auffällig gut gekleidet. Wir sind sehr angenehm überrascht. Was man nicht verschweigen darf, Lubumbashi in der Katanga Region ist für den Kongo nicht repräsentativ. Aufgrund der Bodenschätze hier gehört die Provinz zu den Wohlhabendsten.
Die Geschichte des Kongos ist voll von Gewalt, Ausbeutung, Krieg und Diebstahl am Volk.
Angefangen mit Sklavenhändlern die, aus Arabien und Europa kommend im Kongo Sklaven für Amerika entführt haben.
Gegen 1870 wurde der Kongo als britische Kolonie vorgeschlagen. Das Empire lehnte aber ab, der Fokus war am Nil. Und dann trat König Leopold von Belgien auf. Er vereinnahmte 1885 den Kongo als Privatbesitz. Das ist auch in Afrika einzigartig. Alles in diesem Land, inklusive der Menschen, war Privatbesitz. Leopold herrschte, unabhängig von der eigentlichen belgischen Regierung, unglaublich brutal. Die Bevölkerung wurde durch eine Privatarmee geknechtet und unterdrückt. Hauptsächlich wurden der Anbau von landwirtschaftlichen Exportgütern wie Kautschuk erpresst. Die Herrschaft Leopolds war so menschenverachtend, dass schon 1908 der internationale Druck so hoch war, dass er seinen "Privatbesitz" in eine belgische Kolonie überführen musste. Für die Behandlung der Kongolesen änderte sich wenig. Auch die offizielle Herrschaft der Belgier war brutal und ausbeuterisch. 
Neben den Agrarprodukten wurde die Ausbeutung der Bodenschätze immer bedeutender. Die Unterdrückung und Unmündigkeit der Bevölkerung führte in den 50ern zu Unruhen und 1959 zu einem überstürzten Rückzug der Belgier.
Was sollte nun aus diesem Land werden? Die Belgier hatten die Kongolesen von allen Ämtern und jeder Ausbildung fern gehalten. Im gesamten Staatsdienst gab es nur drei Kongolesen in führenden Positionen und im ganzen Land hatten nur 30 Einheimische eine akademische Ausbildung. Und natürlich blieben alle Schürfunternehmen und alle vorhandenen
Konzerne in der Hand von Belgiern und Amerikanern. Es gab also auch praktisch keine Staatseinnahmen.
Das folgende Schicksal des Kongo ist eng mit zwei Namen verbunden und zeigt wieder die klassische Entwicklung Kolonie - Kurze Demokratie - Diktatur.
Die Namen sind Patrice Lumumba und Joseph Mobutu. Patrice Lumumba war der aufstrebende, junge, idealistische Demokrat der rechtmäßig an die Macht kam aber die brutalen Machenschaften im Hintergrund unterschätzte bzw nicht beherrschen konnte.
Beim Festakt zur Unabhängigkeit hielt der belgische König Badouin eine Rede in der er aufzählte was die Belgische Herrschaft dem Kongo alles gebracht habe. Patrice Lumumba sprach anschließend. Er war erst 35 Jahre alt aber noch zu Kolonialzeiten als Unabhängigkeitsbefürworter inhaftiert und gefoltert worden. All dies führte zu einer emotionalen Rede und verbalen Abrechnung mit der belgischen Gewaltherrschaft. Der König und die anwesenden Politiker waren hoch erbost und wahrscheinlich ist schon dort der Stock über Lumumba gebrochen worden.
Als Ministerpräsident hatte er zwei Fronten, die weiterhin fortgeführte Ausbeutung des Landes durch Andere und die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Provinzen, allen voran der Provinz Katanga in der wir jetzt sind. Sehr rohstoffreich und attraktiv hatten die Belgier hier weiterhin Truppen stationiert um mit den Einheiten der Provinz gegen Lumumba zu kämpfen.
Lumumba musste die Industrien des Landes verstaatlichen wenn er die Rohstoffausbeutung des Landes aus westlicher Hand nehmen wollte. Er bat Moskau um Unterstützung und spätestens dann wurde von den USA die Ermordung des 36 jährigen beschlossen. Zu gefährlich könnte er den amerikanischen und belgischen Firmen werden.
Mit amerikanischem Auftrag putschte ein Oberst Mobutu, entführte später Lumumba und lieferte ihn nach Katanga aus. Patrice Lumumba wurde schwerst misshandelt, in Katanga von abtrünnigen Kongolesen und belgischen Politikern beschimpft und bespuckt und am Ende von katangischen Soldaten mit belgischen Offizieren erschossen.
Zur Vertuschung wurde die Leiche später in, von einer Belgischen Firma hierfür zur Verfügung gestellten, Batteriesäure aufgelöst.
Dies geschah Anfang 1961.
Nach einem kurzen Zwischenspiel putschte Joseph Mobutu erneut, diesmal für sich selbst und wurde ab 1965 einer der brutalsten und gefürchteten Kleptokraten des geschundenen Kontinents. Aber er arbeitete brav mit dem Westen zusammen.
Der Kongo hat alles. Landwirtschlich nutzbare Böden, Unmengen an Bodenschätzen, riesiges Wasserkraftpotential. Unter normalen Herrschaftsbedingungen könnte der Kongo die wohlhabendste und die führende Macht in Afrika sein.
Mobutu stahl alle Einkünfte aus den Bodenschätzen und es gab keine Reinvestitionen. Die Industrien, die Infrastruktur wurde mehr und mehr zerstört.
Das Ende Mobutus kam erst mit dem Völkermord in Ruanda. Er gewährte den Hutu Anführern und ihren Milizen in der Grenzprovinz Unterschlupf. Erst eine Armee aus Ruanda und Mobutu Gegnern setzte dem ein Ende und entmachtete den Diktator.
Als Preis bleibt Ruanda bis heute in den Ostprovinzen und beutet in einem Machtvakuum Bodenschätze aus um sein Haushaltsdefizit zu decken.

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Heute gibt es kaum Straßen, auf 1000 qkm Land kommt im Schnitt 1 km befestigte Straße, es gibt praktisch keine medizinische Versorgung, zum Beispiel gibt es für gut 80 Mio Einwohner 85 Kinderärzte, davon 60 in der Hauptstadt Kinshasa und 20 hier in Lubumbashi. In den armen Provinzen sind Fälle von Pest, Cholera und immer wieder von Ebola beschrieben. Der namensgebende Fluß Ebola liegt ebenfalls im Kongo. Weite Teile des Landes sind unter Rebellenkontrolle. Hier wird unter simpelsten Bedingungen geschürft. Die Bauern schürfen, bringen die Bodenschätze zu minimalsten Preisen an Zwischenhändler die hohe Konzessionskosten an die Rebellen zahlen. Da die Bauern schürfen bauen sie nichts an und er Kongo ist gezwungen bei idealen klimatischen und idealen Bodenbedingungen Nahrungsmittel zu importieren.

Es gibt praktisch kein Steuersystem bei einer riesigen Schattenwirtschaft. Somit kann der Staat keine Gehälter und keinen Sold zahlen. Gezahlt wird hier für alles direkt. Die Armee die dringend gebraucht würde um das ganze Land und die Einnahmequellen wieder unter Kontrolle zu bringen hat Massendesertationen, Ärzte und Lehrer werden direkt für Behandlung oder Unterricht gezahlt. Dies führt dazu, dass nur 40 % der eigentlich schulpflichtigen Kinder von 6 bis 12 auch eine Schule besuchen.
Das alles sehen wir im wohlhabenden Lubumbashi nicht. Aber das Land ist wieder ein Beispiel wie alles, wirklich alles durch verschiedene Formen der Gewaltherrschaft "fucked up" werden kann.

In Lubumbashi fühlen wir uns erstaunlich sicher. Das liegt großteils an der angenehmen Bevölkerung.
Wir spazieren durch die Stadt. Gestern hat uns der Polizist an der Grenze gesagt wir bräuchten eine "Permise" die uns das Hotel ausstellen kann. Die wüßten das schon. Leider hat davon in beiden Hotels noch nie jemand was gehört.

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Da wir ganz in der Nähe des deutschen Honorarkonsulats wohnen wollen wir da vorbei gehen und fragen. Wir finden die angegebene Adresse einfach nicht und geben auf. Dafür finden wir zufällig die größte Sehenswürdigkeit, die Kathedrale. Die Kirche ist zu aber der Sicherheitsmann davor organisiert ein junges Mädchen mit einem Schlüssel und wir können sie von innen sehen.
Dann gehen wir Richtung Zentrum. Marc braucht ein Nationaltrikot der DRC und nach etwas Fragen und Suchen finden wir eines. 
Gegenüber liegt das Park Hotel, das erste Haus Lubumbashis. Auch hier, von einer Regestrierung oder Permise hat noch niemand gehört. Wir kaufen zur Freude der Händler noch einige Souvenirs.


Auf der Hauptkreuzung steht ein drei Meter großer Roboter Polizist und regelt den Verkehr, offensichtlich wird er mehr befolgt als normale Ampeln...
In einem schönen Gartenrestaurant essen wir gut zu Mittag und gehen langsam zum Hotel zurück.
Im Hotel lassen wir uns vom Patron auf einem offiziellen Rechnungsblock unsere Übernachtungen bestätigen, damit wir morgen an der Grenze irgendwas in der Hand haben, schaumermal.
Abends etwas Fußball schauen und Simba Bier. Aufgrund dessen wird die Entscheidung getroffen doch im Hotel zu essen. Das Essen ist deutlich besser als gestern, gleich teuer aber wir brechen den Warterekord. Zweieinhalb Stunden zwischen Bestellung und Essen ist auch für afrikanische Verhältnisse lang.
Bald gehen wir ins Bett, morgen geht es zurück.






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