Fahrtrichtung Norden

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Reisetag 64

Kilometer 12.683

Kein leichter Tag.
Wir starteten wie immer und waren froh Lusaka halbwegs schnell nach Norden verlassen zu können.


Wir sind jetzt auf der Great Northern Road. Es geht ausnahmsweise nochmal nach Norden, Richtung Demokratische Republik Kongo.
Wir waren noch keine 50 km gefahren und es war noch relativ viel Verkehr. Alex führte und überholte ein Auto das abbiegen wollte. Es kam zum Unfall. Mal wieder mehr Glück als Verstand. Alex ist nichts passiert, die Maschine hat ein paar Kratzer mehr aber fährt weiterhin problemlos. Beim Unfallgegner ist eine große Beule in der hinteren Seitentür und eine Plastikverkleidung ab. Wir haben über die Comesa Card eine Versicherung in Sambia und der Fall ist völlig eindeutig. Natürlich ist es dem Autofahrer trotzdem lieber die Polizei zu holen. Kurze Bestandaufnahme durch den Polizisten, von wo kam wer, wer war auf welcher Seite, was sind die Schäden, dann der "The case ist over". Ja, die Schuldfrage ist eindeutig. Aber jetzt muss ein Bericht geschrieben werden. Wir fahren einen halben Kilometer weiter nach Norden zur nächsten Polizeistation. Während Alex das Protokoll macht sitzen wir draußen im Schatten und warten.

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Ein älterer Mann gesellt sich zu uns. Das Gespräch beginnt wie immer. Was für große Motorräder, so große habe er noch nie gesehen, wo wir her seien, wo wir hin wollten, ob man die 200 km/h auf dem Tacho auch wirklich fahren kann. Der Mann setzt sich zu uns.
Er heißt mit Vornamen Progression.
Ich frage ihn ob er hier arbeitet. Nein, es gab einen Unfall. Gestern in seinem Dorf. Sein zwölfjähriger Sohn wurde von einem LKW erfasst und starb.
Wir sind sprachlos. Der Fahrer wurde verhaftet und sitzt in der Zelle der Polizeistation. Man wartet auf den Besitzer des LKWs um zumindest eine Übernahme der Beerdigungskosten zu erreichen.
Das Hauptproblem ist aber ein anderes. Die entstellte Leiche seines Sohnes liegt gerade in der Kühlzelle einer Fleischhauerei und weil Wochenende ist will niemand die Leiche frei geben. Der Vater hofft das Polizei und Bürgermeister gemeinsam entscheiden, dass er seinen Sohn bald beerdigen darf. Ursprünglich hieß es er solle einfach am Montag wieder kommen. Bis gestern hatte er zwei Kinder, der Erstgeborene lebt nichtmehr.
Das erzählt uns der Mann während wir gemeinsam im Staub vor der Polizeistation sitzen. Zum Abschied sagt er "I pray for a save trip for you". Was sollen wir, mit Tränen in den Augen anderes sagen als "We pray for your family". Wie nichtig gleich alle Probleme wirken.
Alex Unfallgegener sind drei Kirchenmänner, der Pastor am Steuer. Am Ende einigt man sich ohne Anzeige und ohne Versicherung auf 150,- Dollar für den Schaden am Auto und wir fahren weiter.

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Das Land ist jetzt völlig anders. Wir sind im ZamBeef Land. Der größte Fleischproduzent südlich der Sahara versorgt das ganze Land mit allem aus Tieren. Es gibt riesen Felder mit modernen Traktoren und...das erste Mal seit wir in Afrika sind... Rundballenpressen. Alles wie daheim.
Weiter nach Norden wird das Land wieder etwas steppiger. Wir kommen nun im Copperbelt an. Schon den ganzen Tag kommen uns LKWs flach mit Kupferplatten beladen entgegen.
In Kapiri Mposhi essen wir zu Mittag. Zügig geht es auf der Straße weiter. Sie hat zwar tiefe, tiefe, eher Spurwannen als Spurrillen aber keine Schlaglöcher. Die letzten 50 Km sind sogar vierspurig, dann stehen wir in Kitwe. Wir hatten ein Apartment über Booking gebucht und fahren zu der angegebenen Straße. Marc ruft die Besitzerin an und siehe da...sie hat unsere Buchung nicht gesehen und das Apartment ist anderweitig vergeben. Hm. Wir suchen schon Alternativen aber Wendy kommt zu uns und meint sie hat eine zweite Wohnung zu der fahren wir ihr hinterher. Diese ist deutlich größer und komfortabler als das was wir gebucht hatten. Da Wendy das mit der Doppelbuchung unangenehm ist bekommen wir die große Wohnung sehr günstig.
Direkt in der Nachbarschaft gibt es einen sambischen Fastfoodladen und einen kleinen Supermarkt. Mehr brauchen wir heute nichtmehr.
Morgen haben wir vor Sambia kurz zu verlassen und einen kurzen Ausflug nach Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo. Wir erwarten mal wieder eine richtige Grenze :-)

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