Zur Begrüßung ein Hochwasser, zum Abschied ein Sandsturm

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Früh starteten wir in Assuan. An der Tankstelle gab es etwas Diskussion wegen unseren russischen Benzin-Säcken. Wir mussten zum Manager und erklärten wir würden durch die Wüste in den Sudan wollen und er ließ uns füllen.

Hintergrund ist der: unsere Motorräder brauchen alle gleich etwa 6l / 100 km.

Während die BMW einen wahren Riesentank mit guten 30 Litern hat, haben die Hondas normale Tanks mit etwa 18 Liter. Also knapp 300 km Reichweite die man ja eigentlich nicht ganz ausreizen will. Für die bevorstehende Strecke bis Dongola im Sudan können Reichweiten von 500 km nötig sein. Also haben wir Zusatztanks dabei. Voll beladen geht es erstmal über den Assuan Damm. Strenge Sicherheitskontrolle dann geht es über den legendären wenn auch gar nicht Mal so hohen Damm.

Dann schnell auf den Dessert Highway nach Süden. Wir kommen perfekt voran. Gerade die Straßen in der Wüste sind neu und in perfektem Zustand. Angeblich sind das hier die Beginne einer durchgehenden Autobahn von Kairo nach Kapstadt. Was für ein Projekt!

Die Straße ist praktisch leer und wir sind jetzt schon richtig in der Sahara. Mit Sandwüste.

Wir kommen nach Toshka, einem kleinen Weiler in der Wüste. Es gibt 8 km nördlich sogar ein New Toshka, eine riesige Trabantenstadt die wir neben der Straße sehen die aber auch eher leer wirkt. In Toshka müssen wir nochmal tanken. Geht aber nicht, die Tankstelle hat keinen Sprit mehr. Insgesamt schaut sie so aus, dass wir uns nicht sicher sind wann sie das letzte Mal Sprit hatte.

Das Militär sagt uns die nächste Tankstelle sei in Abu Simbel.

Das sind 50 km von hier. In Abu Simbel steht der berühmte Tempel Ramses II, der Tempel wurde für den Bau des Assuan Stausees komplett verlegt. Wir hatten aufgrund unseres prekären Zeitplans tatsächlich in Erwägung gezogen Abu Simbel auszulassen. Aber nun will es das Schicksal so.

Wir fahren die 50 km zum Ort. Hier gibt es etwa 5 Tankstellen. Eine hat nur noch Diesel, die anderen ebenfalls gar keinen Treibstoff mehr.

Jetzt haben wir ein Problem. Die Hondas schaffen die Strecke durch die Wüste nicht. Wir entscheiden uns spontan um und wollen doch den alten Weg mit der Fähre von Abu Simbel auf das andere Ufer und von dort nach Wadi Halfa nehmen. Das ist noch in Reichweite.

Die Fähre geht direkt vorm Tempelgelände weg (blaues Schild, "Tourist Port"). Sie liegt am Hafen fährt aber erst wenn 6 LKW da sind. Derzeit sind es zwei. Ich nutze die Zeit und schau mir den Tempel an. Wie Eindrucksvoll! Ich bin heilfroh ihn gesehen zu haben!

Um die Anlage zu Verlegen musste am neuen Ufer ein künstlicher Berg aufgeschüttet werden. Das verleiht dem ganzen leider etwas kulissen- / bühnenhaftes. Wie schon müssen diese Kunstwerke am Originalplatz vom Nil aus gewirkt haben!

Wieder stehe ich ehrfürchtig vor Jahrtausende alten Inschriften mit Originalfarbe und ganz ohne Schutz. Und wieder fast völlig alleine.

Zurück bei den Motorrädern begeben wir uns zum Hafen aber es dauert noch etwas bis wir dann auf einem alten Kahn in etwa 45 min übersetzen können. Keine Kontrolle, nicht einmal ein Geld möchte man von uns. Und es gibt einen Tee für 10 Pfund.

Voller Hoffnung geht es am anderen Ufer an Land. Der "Hafen" besteht nur aus einer Sandpiste die direkt ins Meer führt und einer Ruine. Malerische stehen tolle Wüstenfelsformationen als Wächter an der Piste. Nach 50 Metern wieder eine perfekte Asphaltstraße. Schnell geht es die 35 km zur Grenze. Man lässt uns gerade noch auf den Grenzhof, wir sind relativ spät. Herzliches Begrüßen, eine kleine Grenzgebühr und zum Röntgen der Gepäckstücke.

Danach kommt unser Polizist wieder. Wo denn die Bestätigungen von der Polizei aus Assuan seien? Welche Bestätigungen? Ja, dass wir mit den agyptischen Kennzeichen nirgends geblitzt oder gestraft wurden, die hätten wir in Assuan holen müssen. Was? Wir wussten nichts von solchen Bestätigungen. Wir werden zum Kommandanten gebracht der kein Wort Englisch kann. Wir versuchen wieder alles, Anruf, Fax, aber diesmal haben wir keine Chance. Wir sind ob dieser unberechenbaren Verwaltung auch schon ziemlich ausgebrannt. Wir müssen die 300 km durch die Wüste zurück nach Assuan.

Unser Polizist schlägt vor, dass nur einer von uns zurück fährt und die anderen hier bleiben. Heute komme man noch zurück dann könne man morgen früh die Papiere holen und dann ginge es ganz schnell. Die anderen könnten hier schlafen, das wär kein Problem.

Nun, es hat eh nur die BMW noch genug Reichweite um zurück zu kommen. Wir kippen die letzten Liter aus den Reservekanister in die Maschine und lösen das Gepäck. Die Fahrt soll möglichst leicht und schnell sein. Mittendrin kommen die Polizisten angelaufen. Wir müssen raus, wir müssen alle nach Abu Simbel, es komme ein großer Sandsturm und die Fähre würde auch bald nichtmehr fahren. Also im Eiltempo alles wieder drauf und unverrichteter Dinge zurück zum Fähranleger. Hinter uns würd die Grenzkaserne versammelt.

Auf der Fähre lacht der alte Fährmann nur, scheint öfter zu passieren.

Mit uns reisen etwa ein Dutzend LKWs mit Zebu Rindern gepfercht auf der offenen Ladefläche. Wo die wohl hier in der Wüste herkommen.

Zurück in Abu Simbel finden wir ein sehr nettes Hotel am Ortsausgang. Marc und Alex buchen sich ein Zimmer. Und die BMW wird wieder abgepackt. Mohammed der Hotelmanager, ein groß gewachsener Nubier fragt ob ich heut wirklich noch nach Assuan möchte...na ja, ich muss ja eher. Er sei sich nicht sicher ob das noch gehe. Mohammed ruft bei der örtlichen Polizei an und siehe da, die Straße nach Norden ist bereits gesperrt. Auch wegen dem Sturm. Im Frühjahr kommen hier heiße Stürme aus dem Süden, der Chamsin. Und dann sehen wir ihn auch: eine schwarze Wand in der Dämmerung die schnell näher kommt.

Wir beeilen uns das Gepäck ins Hotel zu bringen und nehmen doch ein Dreierzimmer.

Ich bin heilfroh nicht schon früher gestartet zu sein und vom Sturm in der Wüste überrascht worden zu sein.

Im Hotel wird uns ein tolles Abendessen gezaubert, unsere kleinen Mägen und ausgedörrten Körper schaffen grad und grad die Hälfte der Tafel, dann geht's ins Bett.

Zur Begrüßung ein Hochwasser, zum Abschied ein Sandsturm...was sollen wir mit diesem Ägypten nur anfangen...

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