Weiter nach Entebbe in Uganda

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Reisetag 46

Kilometer 8789

Wir genossen das Frühstück in Kisumu, dann ging es los. Weiter auf der Straße von gestern, weiter nach Westen und ein bisserl nach Norden. Tatsächlich überqueren wir nochmals den Äquator, von Süd nach Nord.
Ein paar mal hatten wir schon tolle Blicke auf den riesigen Viktoriasee.



Unser erstes Ziel war Busia, die Grenzstadt. Angeblich eine moderne "One Stop Border".
Das bedeutet, Zoll und Polizei alles zusammen. 
Wieder bestätigt sich unser bis jetzt gesammelter Eindruck: Grenzstädte sind immer mühsam und hässlich.
Schon hunderte Meter vor der Grenze laufen uns potentielle Fixer nach. Der Grenzübertritt gehe garnicht ohne sie. An der Grenze angekommen: Tatsächlich, ganz moderne Gebäude. Finanziert von Kanada und Großbritannien. Eröffnung war im Feber diesen Jahres. 
Hier braucht man definitiv keinen Fixer aber was sollen die jetzt alle machen? Eben, uns belagern.
Wir werden ohne wirkliche Zustimmung in ein Versicherungsbüro geschliffen, wir bräuchten unbedingt für 50,- USD eine Ugandische Versicherung. Trotz der Comesa Card. Die Versicherungsvertreterin erkennt dann auch die Sinnlosigkeit des Versuches uns etwas zu verkaufen, dass wir schon haben. Damit sie irgendwas tut kontrolliert sie ob die Angaben im Fahrzeugschein mit denen auf der Yellow Card übereinstimmen. Wir gehen wieder. Nach dieser Aktion sind wir auch noch den letzten Zeitdieb los, mit uns gibts heut kein Geschäft.
Die Ausreise aus Kenia und die Einreise nach Uganda ist für uns und für die Motorräder schnell erledigt und wir verlassen den Grenzhof.
Die Straßen in Uganda machen gleich einmal einen besseren Eindruck als die auf der kenianischen Seite. Auch hoffen wir auf ein anständigeres Fahren als in Kenia. Vor allem werden wir nach 10 Minuten an einem Checkpoint angehalten, ein junger motivierter Polizist hält mir einen langen Vortrag, dass wir eine Sperrlinie überfahren hätten und dass wir das nicht tun hätten sollen da das sehr gefährlich sein kann. Ich bedanke mich aufrichtig bei ihm und sage ihm ich wäre sehr froh wieder in einem Land mit richtiger Road Safety zu sein. Das Gespräch endet herzlich.
Aber schon nach wenigen Kilometern wissen wir: alles nur Schall und Rauch. Im Kampf um den Titel der schlechtesten Autofahrer der Welt ist Uganda mit Kenia gleich auf. Dass ein Motorrad auf der Gegenspur fährt ist kein Hindernisgrund fürs Überholen. Vor allem für die mörderisch und sinnlos maneuvrierenden Sammeltaxis.
Motorräder werden nicht ernst genommen. Es steht ihnen frei auf das Bankett oder gleich in den Straßengraben auszuweichen.
Durch viel Lichthupe und Hupen verteidigen wir großteils und zum völligen Unverständnis der entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer unsere Fahrspuren.

46 - Ugandische Straßenszene...die Speedbumbs bleiben uns erhalten.

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In Jinja ist es dann soweit, über eine Brücke und einen Damm sehen wir einen alten Bekannten wieder, den Viktoria Nil, später bekannt als der Weiße Nil, zuletzt gesehen haben wir ihn in Karthoum, beim Zusammenfluss mit dem blauen Nil.
Wir wollen heute nach Entebbe, leider müssen wir dafür sehr weit in die Hauptstadt Kampala rein. Eventuell gibt es eine Umfahrungsstraße, die Navis führen uns aber in die Stadt rein, eventuell ist die Umfahrung auch noch nicht fertig.
Für unseren Geschmack kommen wir zu tief in diesen abermaligen Millionenentwicklungslandmolloch hinein.
Der Verkehr ist dumm-aggressiv und an einer Kreuzung passiert es dann, Mark wird seitlich von einem Sammeltaxi angefahren, erst leicht, dann nochmal fester und so stürzt er mit der Maschine um. Das ist dem Fahrer herzlich wurscht. Zum Dank tritt ihm Alex noch ins Blech, die Frage ist was da mehr egal ist, er fährt jedenfalls ohne anzuhalten weiter.
Marc ist zum Glück nichts passiert, der Maschine auch nicht und schnell stehen beide wieder.
Jetzt aber nichts wie raus aus diesem Loch.
Es sind nur noch etwa 30 km nach Entebbe. Hier schaut die Welt schon anders aus. Weniger und geordneterer Verkehr, schöne Häuser und eine sehr schöne Lage auf einer Halbinsel im See.
Unser Hotel hat gerade seinen Namen geändert, an der Tür hängen neue Schilder aber noch nicht auf Booking.com, eine gute Zeit irren wir umher bis uns ein netter Passant darauf hinweist, dass das Hotel vor kurzem umbenannt wurde.

46 - Unser Hotel

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Dafür werden wir von dem Hotel selber positiv überrascht. Ein schönes, großes Zimmer für uns drei, ein netter, junger Besitzer mit seiner Familie.
Entebbe dürfte jetzt in Deutschland wieder mehr ein Begriff sein. 1976 fand hier eine Flugzeugentführung einer Air France Maschine auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris statt. Mit Duldung oder sogar Unterstützung durch den damaligen und legendär grausamen Diktator Ugandas, Idi Amin.
Die Entführer waren zwei Palästinenser und zwei Deutsche, Mitglieder der Revolutionären Zellen.
Gerade ist dieser Stoff als "7 Tage in Entebbe" verfilmt worden, mit Daniel Brühl als Flugzeugentführer.
Die Entführung war ein Scheideweg für viele idealistische RAF und RZ Sympathisanten. Um den Druck auf Israel zu erhöhen wurden unter den Passagieren alle vermeintlichen Juden nach Aussehen und Namen herausgesucht. Dies übernahmen 31 Jahre nach Ende des Holocausts die beiden Deutschen.
Die nichtjüdischen Geiseln wurden frei gelassen.
Joschka Fischer sagte später, die Selektion von Entebbe hätte ihn damals zu einer Abkehr vom militanten Kampf bewogen.
Bei der Befreiungsaktion durch israelische Spezialkräfte wurden alle Geiselnehmer und einzelne Geiseln getötet.
Jonathan Netanjahu, der Bruder des heutigen israelischen Ministerpräsidenten, fiel damals als Mitglied der Spezialkräfte.
Der Fall Entebbe ist das Sinnbild des "Extremistischen Kreises":
Ob ich nach links oder rechts im militantem Extremismus versinke, am Ende kommen beide Seiten wie in einem Kreis wieder zusammen und sind ident.

46 - Aufgehender Mond

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Nach dem Einchecken und Duschen gehen wir hinunter zum See, hier liegen sehr schöne Lokale und in einem davon essen wir. Direkt am Ufer, bei aufgehendem Mond und sehr gut...warum sind wir jetzt mit drei Jungs unterwegs?

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