Nach Abessinien - mit viel Glück!

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Reisetag 25
Kilometer 5540

Von Gedaref starten wir wieder früh. Es geht weiter Richtung Äthiopische Grenze. Die Straße wird kleiner. Wirklich viel Grenzverkehr an der einzigen Grenze zwischen Sudan und Äthiopien scheint es nicht zu geben. 
Es werden mehr und mehr Schlaglöcher. Durch die perfekten Straßenverhältnisse der Tour bis jetzt sind wir etwas übermütig und zu schnell.

Und dann passiert es, Alex führt und beim Überholen eines LKWs taucht er tief in ein großes Schlagloch ein und schlägt mit der Felge auf. Die ist verbogen und der Schlauch geplatzt. Mit unkontrollierbarem Motorrad schafft Alex einen halbwegs geordneten Flug in den Straßengraben.
Alex steht zum Glück gleich wieder auf. Nach dem ersten Schreck zeigt sich eine klassische Zerrung des Lis-Franc-Gelenkes, nicht grad fein wenn man am Motorrad schalten muss...aber es hätte soviel mehr passieren können...

Das Motorrad liegt am Boden. Die Felge hat eindeutig einen Schlag und der Reifen ist platt. Die Felge werden wir hier nicht reparieren können. Aber irgendwie auf eigenen Rädern über die Grenze und nicht zurück nach Gedaref wäre schon gut...

Vorsichtig lösen wir den Mantel mit den Montiereisen. Der Schlauch kommt raus. Wir entdecken nur zwei kleine Langsrisse, die können wir vielleicht flicken. Wir beeilen uns und bauen alles wieder zusammen. Aufpumpen, und testen, leider hören wir schon Luft entweichen. Also alles wieder auf. Bei einem Flicken waren wir zu sparig. 



Nachdem wir den gewechselt haben scheints zu funktionieren. Alex fährt eine Proberunde. Die Maschine flattert etwas aber lässt sich fahren. Weiter zur Grenze!
Nach 20 km sind die Schlaglöcher vorbei. Die Straße ist wieder perfekt. Besser für uns. Plötzlich sind wir in der Grenzsiedlung in Gallabat. Eine Bretterbudensammlung mit ein paar offiziellen Gebäuden. Ein netter Fixer bringt uns von Polizei zu Zoll unf Sicherheitscheck und nach ein bisserl warten verlassen wir den Sudan. Der Schlagbaum ist grundsätzlich offen. Die Straße wird durch eine Bandschlinge gesperrt, nachdem unsere Kennzeichen notiert wurden sind wir raus.
Der Sudan hat uns wirklich gut gefallen. So nette Menschen!

 In Äthiopien geht's gut weiter. Wir sind genau in der Mittagspause angekommen. Nach kurzem Warten bricht ein junger, kompetenter Beamte in Shorts und Trägerhemd bricht seine Pause ab und kümmert sich um uns. Das Amtsgeschäft wird aber nach draußen unter ein Strohdach verlegt, im Gebäude ist's zu heiß. Nach für uns Ägypten-Geschädigten wirkt alles auf uns in Rekordzeit. 
Wir trinken eine Cola und wechseln Geld. Das Erste das uns auffällt: Cola in Pfandflaschen!!
Dann geht es weiter. Langsam aber sicher geht es in die Berge. Wir fahren in das Äthiopische Hochland. Die Welt ändert sich völlig. Wir sind nun in der Amhar Provinz. Mit eigener Sprache und einer hoch interessanten eigenen Schrift.

Äthiopien ist ein unglaubliches Land. Früher Abessinien genannt hat es eine seit 3000 Jahren ununterbrochene Geschichte. Als einziges Land Afrikas und als eines der wenigen Länder der Welt war es in dieser Zeit nie länger besetzt. In Äthiopien hat sich im 4. Jahrhundert, gewaltfrei, eine frühe Form des Christentums verbreitet, Äthiopisch-Orthodox.
Der Herrscher von Abessinien ist auch schon im Koran erwähnt als gerechter Mann in dem die Gefolgsleute Mohameds Asyl bekommen haben. Was sollen wir Europäer dazu sagen?
Äthiopien hat allen Kolonialisierungsversuchen widerstanden, den Engländern hat man klar gemacht zu unattraktiv und hoch entwickelt zu sein, die Italiener hat man Ende des 19. Jhds in einer Schlacht besiegt und aus dem Land geschmissen.
Selbst als Mussolini versucht hat das Land zu erobern, konnte er es trotz Einsatz von Giftgas und Hunderttausenden Toten nie ganz kontrollieren.

Das Christentum bemerkt man natürlich auch auf den Straßen. Die Mädchen tragen plötzlich wieder kurze Röcke und Trägerleibchen.

Wir fahren durch malerische Dörfer, entlang der Straße. Die Häuser haben Wände aus Ästen und kleinen Baumstämmen, teilweise sind die Wände mit einer Mischung aus Lehm und Stroh verputzt. Die Dächer sind aus Wellblech. Außerhalb der Häuser gibt es eine überdachte Feuerstelle auf der gekocht wird.
Strom gibt es hier in den Bergen nirgends. Plastikmüll sehen wir auch keinen.
Die Kinder sind jetzt am Nachmittag grad dabei mit den Eseln Wasser zu holen. Die restlichen Tiere, Kühe, Ziegen, Hühner scheinen ein mehr oder weniger autarkes Leben zu führen, leider auch großteils auf der Straße was in jedem Dorf zu deutlichen Geschwindigkeitsreduktionen führt. 
Der Himmel über uns ist seit der Grenze pechschwarz. Wir hoffen etwas dem Gewitter zu entgehen. Aber keine Chance. Auf einem Pass erwischt es uns voll, plötzlich stärker Wind, Tropfen und dann Sturzregen. Wir ziehen unsere Regenkombis an sind aber schon völlig durchnässt. Und wir frieren. Was für Stunden. Von der glühenden Sonne in den kühlen Regen in so kurzer Zeit.
Wir kommen mitten ins Gewitter und hoffen, dass uns kein Blitz trifft.
Kaum ist der ärgste Regen vorbei steht da eine Tankstelle. Und man kann ganz normal voll tanken lassen.
Langsam dämmert es und wir wollen so schnell wie möglich nach Gonder.

Dann bleibt Marc plötzlich stehen. Gaszug gerissen. Er hat einen Ersatz dabei und in Rekordzeit wird er getauscht. Uns hilft dabei ein etwa 12 Jähriger Junge. Er kam in seinem traditionellem Gewand aus dem Nichts. Beim Basteln zeigt er ein erstaunlich großes technisches Verständnis. 
Es wird dunkel.
Zum Abschied schenke ich unserem Helfer einen Phasenprüfer aus meinem Werkzeug. Naja, von dem Schraubendreher wird er sicher was haben. Der eigentliche Phasenprüfer ist widersinnig und vielleicht ist es besser er wird ihn ganz lange nicht brauchen weil es weiterhin keinen Strom gibt.

Nass und erschöpft kommen wir in Gonder in der Lodge du Chateau an. Ein typisches Lonely Planet Hotel. Somit auch teuer. Aber die heiße Dusche und der wunderschöne Ort sind es uns wert!

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