Kenia - von Moyale nach Marsabit

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Reisetag 33
Kilometer 7411

Wir frühstücken in unserem Hotel. Dann gehen wir über die Straße zum Zoll. Wir werden erwartet und unser Bearbeiter schickt uns mit einem jungen Polizisten in den Ort um eine Versicherung abzuschließen...leichter gesagt als getan.
Niemand möchte unsere Motorräder für einen Monat versichern. Es ist einfach nicht vorgesehen.
Gestern haben sie uns noch groß erzählt hier würden an manchen Tagen 100 fremde Motorräder auf dem Weg durch Afrika vorbei kommen. Wir könnens nicht ganz glauben. Vielleicht 100 seit die Grenze eröffnet wurde.
Nach mehreren Telefonaten gibt unser Zöllner auf. Er möchte einfach die Nummern unserer Grünen Karten bei "Versicherung" eintragen.
Zurück im Zoll geht dann das Internet nicht und wir müssen warten. Kenia ist ganz offensichtlich viel organisierter und geordneter als die Länder zuvor...aber wir sind eben immernoch in Afrika.
Das Internet Problem scheint ernst zu sein. Gegen Mittag können dann, unglaublich langsam, unsere Carnets bearbeitet werden. Zu lange hätte es nichtmehr brauchen dürfen, es sind zwar nur 250 km bis zu unserem nächsten Ziel, Marsabit, aber wir wollen keinesfalls in die Dunkelheit kommen.
Mit uns wartet Marc Sampson mit seiner Familie und einem wunderschönen, riesigen, grünen 911er Kugelhauber von Daimler Benz.
Sie kommen aus Südafrika, und fahren "Africa Clockwise". Nun sind sie auf dem Heimweg nach Süden. Der Mythos über das gewalttätige  und unbereisbare Westafrika sei genau so falsch wie so vieles das uns über Afrika erzählt wird. Gemeinsam machen wir uns über die schreckliche Bürokratie und Korruption in Ägypten lustig.
Grenzstädte sind einfach nie schön. Ansammlungen von Häusern irgendwo im Nichts mit einer Heerschar von Nutznießern und Glücksrittern. Allen voran den schmierigen Geldwechslern, die nicht nur schlechte Kurse bieten sondern sich auch einfach Mal ausversehen zu ihren Gunsten um 1000 Schilling verzählen.
Ja, wir sind in einem Schilling Land :-). Ein Dollar sind etwa 100 Kenianische Schillinge.
Schnell verlassen wir dieses Moyale. Wir konzentrieren uns, ab jetzt gilt Linksverkehr. Direkt am Ortsende biegt ein Moped auf unsere Spur. Er kommt uns frontal entgegen. Im letzen Moment weicht er irritiert nach links aus. Des Rätsels Lösung: ein Äthiopier der offensichtlich vergessen hatte noch in Kenia im Linksverkehr zu sein. Na, das wär's gewesen.
Die Landschaft ist jetzt wunderschön. Am Anfang noch Büsche und kleine Bäume, dann grasbedeckte Steinwüste. Hier ist grad Ende der Regenzeit und alles lebt. Das Weidevieh schaut dick und gesund aus und Wolken von Heuschrecken überqueren vor uns die Straße.
Und dann diese Tiere mit denen wir einfach nicht gerechnet haben: Hunderte von Dromedaren. Man versichert uns sie würden hier ganz normal leben. Sie schauen toll aus, groß, gut genährt, gesund. Für so ein genügsames Tier wie das Dromedar muss das hier ja das Paradies sein.
Auf dem perfekten "Great North Highway" fahren wir nach Süden. Bis vor drei Jahren muss das hier eine ganz schlechte und mühsame Strecke gewesen sein, ähnlich der Straße von Arba Minch nach Süden gestern.
Dann kamen die Chinesen und haben diese Straße hin gebaut. Gemütlich fahren wir durch eine unglaublich schöne Landschaft bis Marsabit. Eine Kleinstadt am Rand des gleichnamigen Nationalparks. Genau mit dem Beginn der Dämmerung kommen wir an und nehmen das erste Hotel. Es ist auch "das erste Hotel am Platz". Erstaunlich viel Luxus.
Abends Essen wir bei Straßenverkäufern Maiskolben und Samosas und führen lustige Gespräche.
Kenia ist schon jetzt ganz anders. Die Menschen kommen wieder auf uns zu, fragen ernsthaft interessiert, wo wir her kommen um uns dann ein "Welcome to Kenya" zu wünschen.
Kein aggressives  "Youyouyou" und kein kollektives Betteln mehr.
Am Straßenrand komme ich mit einem jungen Burschen ins Gespräch. Er weist mich darauf hin, dass ich da was auf der Nase habe. Ja sage ich, zuviel Sonne und zu weiße Haut, die schält sich jetzt.
Die Vorstellung, dass sich Haut schält wegen Sonnenbrand ist für ihn völlig neu und findet er unglaublich erheiternd.
Zufrieden fallen wir in unsere guten Betten. Morgen geht es nach Nanyuki am Fuß des Mount Kenya, einem Berg mit dem meine Bergrettungsortsstelle Innsbruck eine ganz besondere Beziehung hat!

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