Am Äquator!

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Reisetag 34

Kilometer

Heute ließen wir uns etwas Zeit. Wir genossen das "very british" Frühstück in unserem Luxushotel. Beim Packen der Motorräder sprach uns ein Mann an, Tom Wanyama, er hat ein Motorradgeschäft in Nairobi, eine Honda Niederlassung. Er ist in Marsabit weil er überlegt hier eine Filiale aufzumachen. Und er ist von den Transalps total begeistert. Wir müssen Fotos von ihm machen wie er auf Marcs Maschine sitzt.
Victor Wanyama? Ja, sein Sohn ist Fußballprofi bei Tottenham. Und diesen Mann treffen wir in Marsabit auf der Straße.
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Wir fahren los. Marsabit scheint grundsätzlich chronisch unterschätzt. Es ist auch eine moderne Zonengrenze. Die A2 die wir gestern von Moyale gekommen und heute weiter fahren ist Teil des berühmten Trans East African Highway den wir seit Ägypten immer wieder benützen. Gekennzeichnet durch neueste, kerzengrade Straßen und riesige Grenzstationen wie Argin und jetzt Moyale.
Von Moyale bis Marsabit war die Straße bis vor drei Jahren eine gefürchtete Schlammstrecke. Die moderne Straße wurde von der Volksrepublik China finanziert und gebaut. Ab Marsabit wurde die Straße durch die EU finanziert und gebaut. Tatsächlich bemerken wir einen Unterschied im Asphalt. 
Somit ist der kleine Ort eine sinnbildliche Zonengrenze für den Kampf um Einfluss in Afrika.
Bei der Weiterfahrt sehen wir immer wieder, vor allem bei den Brücken, Teile der alten, schmalen "Dirt Road". Was muss das, vor allem bei Regen, für eine Qual gewesen sein.
Im saftigen Grün sehen wir riesige Herden mit Dromedaren, Eseln, Schafen, Ziegen und ein paar Kühen. Gehütet von Maasai in traditionellem Gewand. Wer hätte gedacht, dass der Lendenschurz und Zierketten hier noch Alltagskleidung ist.
Und dann sehen wir den ersten Vogel Strauss. Riesig. Leider oder zum Glück entscheidet er sich von uns weg zu laufen und wir schaffen kein Foto.
Kurz hinter Isiolo biegen wir rechts ab. wir fahren jetzt im Westen, gegen den Uhrzeigersinn um das Mt. Kenya Massiv. Von diesem berühmten und eindrucksvollen Berg sehen wir erstmal nichts. Er hüllt sich in tief schwarze Wolken und wir hoffen nicht nass zu werden.

Die Straße steigt an. Plötzlich wieder eine völlig andere Welt. Die ersten Nadelbäume seit Wochen stehen neben der Straße. Es gibt wieder Ackerbau. Abgeerntete Getreidefelder begleiten uns. Und dann? Rapsfelder in leuchtend gelber Pracht. Wir fühlen uns schon fast wie daheim.
Wir kommen in den berühmten Bergsteigerort Nanyuki.
Genau genommen ist Nanyuki für zwei Dinge berühmt, als Ausgangspunkt für den zweithöchsten Berg Afrikas, den wunderschönen Mount Kenya und weil im Süden des Ortes der Äquator durch geht.
Wir fahren durch den Ort und dann steht da rechts neben der Straße ein eher unscheinbares Schild. "Equator". Wir sind auf dem Breitengrad 0 angekommen. Ab jetzt geht es für uns auf der Südhalbkugel weiter. Und wir sind die ganze Strecke von 42 Grad Nord bis hierher auf den Motorrädern gefahren. Wir machen Fotos. An dem Schild warten tüchtige Geschäftsmänner. Im Norden bilden sich bei abfließendem Wasser Strudel in Uhrzeigersinn, im Süden gegen den Uhrzeigersinn. Genau genommen weiss das Wasser etwa fünf Kilometer um den Äquator wohl nicht wie es ablaufen soll. Aber mit dem richtigen Händchen geht dies auch einen Meter nördlich des Schildes und einen Meter südlich. Will man da nicht etwas "betrogen" werden?
Wir wollen und werden hier wieder vorbei schauen wenn wir zurück in Nanyuki sind. Jetzt haben wir erstmal einen Termin.
Wir treffen Julian Wright von den African Ascents. Hintergrund ist der: in Nanyuki ist das Hauptquartier des Kenya Wildlife Service am Mount Kenya. Diese leisten auch den Bergrettungsdienst für diesen hohen und anspruchsvollen Berg.
Finanziert durch die Filmproduktionsfirma Riva und das Land Tirol wurde über die Ortsstelle Innsbruck eine der neuen Titan-Gebirgstragen der Bergrettung Tirol als Spende besorgt.
Diese wurde organisiert von unserem Bergretter Gebi Mair an Julian, der hier ein sehr schönes Bergsteigerbüro betreibt, geschickt. Sie liegt wie sie die Ortsstelle verlassen hat, vor mir.
Ich habe die nächsten Tage die Ehre im Rahmen eines Erste Hilfe Kurses die Trage einzuweisen und zu übergeben. Warum das alles? Dazu morgen mehr.
Nachdem wir bei Julian waren gehen wir am kleinen Flughafen von Nanyuki gut und teuer essen und fahren dann zum Hauptquartier des Kenya Wildlife Service. Das liegt etwa 20 Kilometer Richtung Berg. Wir fahren durch wunderschöne Wälder und ab und zu blitzen die schneebedeckten Gipfel durch die Wolken durch.
Die Straße ist in einem Zustand der jede Agrar Gemeinschaft daheim schon zu verzweifelten Rufen um öffentliche Fördergelder bringen würde. Hier kommen uns ganz normale PKWs entgegen. Und die GS ist wieder ganz in ihrem Element.
Am Ende kommen wir in die kleine Siedlung des Wildlife Service. Die Ranger wohnen hier oben und arbeiten von hier aus. Ein bisschen erinnert es mit den einheitlichen Häuschen an das Hochlager Wattener Lizum des Österreichischen Bundesheeres. 
Die Ranger Häuser wurden durch die Volksrepublik China gebaut. Gerade wird mit Geld der EU an der Straße weiter Richtung Berg gebaut.
Am Ende der kleinen Siedlung steht das Guest House. Hier werden wir herzlich empfangen. Das Haus ist voller Luxus, auf 2400 m Höhe steht ein ganz normales Haus mit Schlafzimmern und einem perfekten Bad. Wir fühlen uns gleich wohl.
An dem Erste Hilfe Kurs nehmen Ranger vom Wildlife Service und Bergführer von externen Bergsteigerbüros teil. Die externen Teilnehmer wohnen mit uns im selben Haus und wir essen gemeinsam zu Abend.
Nach dem Essen werden wir durch George Ombuki begrüßt, er ist der Leiter der Bergrettung am Mt. Kenya. Er wird sich die kommenden Tage um uns kümmern.
Wir genießen die frische, kühle Bergluft und die absolute Ruhe, die hatten wir seit der Wüste nicht mehr, und fallen glücklich in unsere Betten.

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